Dienstag, 9. Januar 2018

Kleidung nähen statt kaufen {DIYdontBUY}

Schon im letzten Jahr hatte ich den Plan mir meine Kleidung selbst zu nähen, statt zu kaufen. Es kam wie es kommen musste, aus Zeitmangel und auch aufgrund des berühmten Schweinehundes, habe ich es aber nur teilweise umgesetzt. Genäht habe ich, aber nur Einzelteile für meine Garderobe.

Ende des letzten Jahres rief dann Lisa von meinfeenstaub zu ihrer Nähen-statt-Kaufen-Aktion auf. Das hat mich dann schon angestachelt und mein Plan aus dem letzten Jahr soll nun eine neue Chance bekommen, also versuche ich es mit DIY don't BUY.

Über die letzten Jahre hat sich eine kleine Schnittmuster-Sammlung auf der PC-Festplatte und im Regal des Nähzimmers zusammengefunden. Die Basicteile, die ich mir in meinem Kleiderschrank so wünsche, sollten sich umsetzen lassen. Entweder direkt aus den Schnittmustern genäht oder eben durch Zusammenbasteln der einzelnen Schnitte zu einem neuen Schnitt.


Genug Nähpraxis habe ich in den letzten Jahren auch sammeln können. Die Challenge alles in diesem Jahr selbst zu nähen, statt zu kaufen traue ich mir also grundsätzlich zu. Ich frage mich nur, ob ich es tatsächlich das gesamte Jahr durchziehen werde - ihr erinnert euch, Schweinehund und so.

Ich starte in das Experiment mit einem Strickjäckchen. Die trage ich momentan sowieso sehr gerne. Praktischer Zwiebellook und gut um die Weihnachtsröllchen zu verpacken. 
Ich erzähl euch mal, wie es mir ergangen ist:

Tag 1:
Nähen möchte ich Frau Ava von hedinaeht. Nein Stop, der ursprüngliche Plan für war es eine Frau Nora zu nähen. Einfach um "reinzukommen" :) Ich dachte ein Pullover ist schneller umgesetzt, als die Jacke. Außerdem hat mich der Stoff, den ich dafür ausgesucht habe, mehr angelacht. Das Problem: Entweder ist im Stoffgeschäft ein Fehler beim Zuschneiden passiert oder der Stoff ist wirklich ungewöhnlich stark eingelaufen. Es fehlen tatsächlich 30 cm.  Wie auch immer, Fakt ist, dass ich nicht genug Stoff für das Projekt habe. Eigentlich ist es jetzt so weit, dass ich den Schwung verloren habe. Das ist schon nervig. Beim Shopping hätte ich das Teil anprobiert und wahrscheinlich mitgenommen. Einfach und unkompliziert. Gleichzeitig würde das aber auch bedeutet, dass ich es schnell und ohne viel Nachdenken konsumiert hätte.
Ich rufe mir nochmal in Gedanken, warum es mir wichtig ist mit dem DIYdontBUY-Projekt zu starten. Also entschließe ich mich dazu einen anderen Schnitt zu kleben und abzupausen - dann geht es eben jetzt schon an die Frau Ava, also den Strickmantel. Immerhin damit ist die Vorarbeit geschafft. Handmade hat eben doch viele Arbeitsschritte, durch die man sich bis zur ersten Anprobe, geschweige denn bis zum ersten richtigen Ausführen des Kleidungsstücks durch"kämpfen" muss.

Das Nähen verschiebe ich auf den nächsten Tag. 

Tag 2:
Aber vor dem Nähen steht ja zunächst einmal der Zuschnitt. Ich kämpfe mit dem großen Stück Stoff, damit ich das Stoffmuster ordentlich im Bruch zuschneiden kann. Ich möchte mich später nicht über  ein schiefes Muster ärgern. Also gebe ich mir Mühe, messe oft nach und stecke das Schnittmuster ordentlich auf den Stoff, der auch ehrlich gesagt nicht ganz billig war. Fest steht: Geld sparen lässt sich mit dem Selber nähen statt kaufen nicht. Das ist aber auch allen Hobbynähern klar, denke ich. Wenn man schon die Zeit und Arbeit investiert, möchte man ja auch, dass es sich lange auszahlt. Daher greift man dann ja doch zu den besseren und griffigeren Stoffen. (Ja natürlich mache ich auch Spontankäufe auf dem Stoffmarkt und freue mich über Schnäppchen. Aber grundsätzlich versuche ich da schon auf die Qualität zu achten. )

Mittlerweile krieche ich schon eine ganze Weile auf dem Boden, die Knie schmerzen, das Zuschneiden auf dem Fußboden ist nicht sehr angenehm. Eigentlich möchte ich diesen Arbeitsschritt schnell hinter mich bringen und mit dem Nähen anfangen.
Ich erinnere mich an den Anfang meiner Nähzeit, bei der ich unfreiwillig viele Schlafanzüge produziert habe. Das war damals völlig ok. Schließlich muss man ja erst mal Praxis sammeln und üben, wie das alles mit Schnittanpassung, Ausmessen und dem Nähen selbst so funktioniert. Die nicht so gelungenen Oberteile wurden halt als Schlafanzüge umfunktioniert. 

Aber nein, aus dem Nähprojekt heute soll kein Schlafanzug werden. Ok eh schwierig bei einer Strickjacke, aber ihr könnt euch vorstellen, was ich meine.

Nähen lässt sich die Frau Ava dann wirklich einfach und auch schnell. Das ist bei Ninas Schnitten wirklich angenehm. Ich bin kurz vor der Zielgeraden (es sind nur noch die Ärmelbündchen anzunähen). Die Naht habe ich sogar schon mit groben Stichen geheftet. Die Overlock-Maschine möchte es aber anders. Sie frisst die Naht und möchte nicht, dass ich heute fertig werde mit dem Projekt. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Neuer Versuch - das gleiche Spiel. Typisch :) So fühlt sich also Slow-Fashion an - schon etwas nervig. Das muss ich ehrlicherweise zugeben. Ich lege, das bisher missglückte Nähprojekt, zur Seite. Die letzten Nähte möchte ich mit Ruhe machen. Da muss ich erstmal neue Geduld tanken.


Tag 3:
Heute muss ich ja erneut an die Ärmel ran, Missgeschick an Tag 2 sei Dank :)
Ich sitze mit Ruhe an der Maschine und nähe jede Naht mit Bedacht. Da fällt mir auf: Das ist schon lange nicht mehr vorgekommen. Meist hetze ich mich von Naht zu Naht. Besonders schlimm wird es, wenn ich dem Ziel nahe komme. Aber heute nicht. Ich bessere den Fehler also aus und säume anschließend den Mantel. Bei der Anprobe stelle ich fest, dass ich eventuell etwas Weite am Rücken rausnehmen sollte, also hefte ich Abnäher dorthin. Aber nein, das gefällt mir nicht. Die müssen wieder weg. Der lässige Look kommt eben auch durch die Mehrweite. Da musste ich mich bei meiner Frau Edda (zeige ich noch bei Gelegenheit) auch erst dran gewöhnen und jetzt liebe ich sie dafür.

Fazit für das erste genähte Teil des DIYdontBUY-Jahres:
Man sollte sich auf das Slow in Slow-Fashion wirklich einlassen. Dann kann man bestimmt sogar noch Entspannung aus der Zeit an der Nähmaschine für sich rausziehen. Fest steht aber: Impulsive Kleidungs-Neueroberungen sind durch das Selbstnähen nicht zu erlangen. Von der Stoffauswahl über die Schnittmuster-Suche bis hin zum Zeit finden um an die Nähmaschine zu kommen muss ich jetzt alles durchplanen, wenn ich etwas Neues im Kleiderschrank haben möchte. Ich bin gespannt, wie sich das einpendelt und wie sich die kommende Zeit entwickelt.

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